26/05 & 27/05
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Institut für Theater- und Medienwissenschaft

As part of the workshops and performances
Gender on Stage
http://www.theater-medien.de/itm-workshop-gender-on-stage-am-26-27-mai-2018/

Saturday 17:00 – 17:45
I present the performance lecture

No Noise is an Island –
Gender als performative Vielstimmigkeit

Kann ein Genderkonzept ‘mit anderen Ohren’ gedacht, komponiert und aufgeführt werden? Die Komponistin Pia Palme erforscht seit Jahren ihre Umgebung über die Wahrnehmung des Hörens. Für ‘No Noise is an Island’ geht sie von der Annahme aus, dass eine feministische Haltung die persönlichen Hörgewohnheiten verändern kann: das Hintergrundrauschen der Gesellschaft wird wahrgenommen, der jeweilige Umgebungsraum in seiner Stille und Tiefe ausgelotet. Die Verletzbarkeit der individuellen menschlichen Existenz wird zum fragilen Klangereignis, zum flüchtigen Geräusch. Körper werden hörbar und interagieren auf akustische Weise. Die Hörwahrnehmung ist ein kreativer und performativer Akt; das Ohr kann die Strukturen menschlicher Interaktionen in ihrer Vielstimmigkeit – samt den darin wirksamen Genderidentitäten – genau, detailliert, flexibel und als Ganzes kartografieren. Mit diesen Themen im Zusammenhang mit der aktuellen Neuverhandlung des Genderbegriffes gilt es, performativ zu experimentieren.

Die Künstlerin mischt dafür theoretische Untersuchungen mit Elementen des Storytelling sowie elektronische mit instrumentaler Musik. Ein Video über eine Insel aus Gras inmitten in einer Regenlache dient als Angelpunkt für einen vielfältigen Diskurs – über das Hören als feministische Praxis, über die Erforschung innerer und äußerer Klang- und Körperwelten und über den Kompositionsvorgang als politische Handlung. Die Komponistin stellt die Körperlichkeit der Performance der Entkörperung im digitalen Alltag gegenüber; sie präsentiert mit den Mitteln heutiger Musik ein Modell für ein polyphones Genderkonzept, das zugleich fließend und präzise sein kann.